Deine FIRE-Zahl: So funktioniert die 4-%-Regel – und wo sie an Grenzen stößt
Wie viel Vermögen du für einen frühen Ruhestand brauchst, woher die 4-%-Regel kommt und warum viele Frührentner lieber mit 3 bis 3,5 % planen.
Von Islam Kassem, Gründer von NetWorthy · · 3 Min. Lesezeit
FIRE steht für „Financial Independence, Retire Early“, also finanzielle Unabhängigkeit und früher Ruhestand. Deine FIRE-Zahl ist die Depotgröße, die dein Leben dauerhaft finanzieren könnte, sodass Arbeit optional wird.
Die übliche Faustformel: Jahresausgaben mal 25.
Gibst du 40.000 € im Jahr aus, liegt deine FIRE-Zahl bei 1.000.000 €. Bei 24.000 € sind es 600.000 €.
Woher das „mal 25“ kommt
Mal 25 entspricht der Annahme, dass du jedes Jahr 4 % deines Depots entnehmen kannst. Die Idee geht auf einen Aufsatz des Finanzplaners William Bengen von 1994 zurück. Er testete Entnahmeraten mit historischen Renditen von US-Aktien und -Anleihen. Ergebnis: Wer mit etwa 4 % startete und den Betrag jährlich an die Inflation anpasste, wäre in jedem untersuchten Zeitraum mindestens 30 Jahre ausgekommen.
Einige Jahre später kamen drei Professoren der Trinity University (die sogenannte Trinity-Studie) für 30-jährige Ruhestände mit aktienlastigem Depot zu ähnlichen Ergebnissen.
Die 4-%-Regel ist also ein historischer Backtest. Künftige Renditen können schlechter ausfallen als alles in den Daten.
Drei Grenzen, die du kennen solltest
Sie wurde für 30 Jahre gebaut
Ein klassischer Ruhestand ab 67 dauert vielleicht 20 bis 30 Jahre. Hörst du mit 40 auf, muss das Geld womöglich 50 Jahre reichen. Je länger der Zeitraum, desto mehr Raum für eine ungünstige Abfolge von Renditen. Deshalb planen viele Frührentner mit 3 bis 3,5 %. Bei 3,5 % rechnest du Ausgaben mal etwa 28,6, bei 3 % mal etwa 33.
Sie basiert auf US-Daten
Die USA hatten einen der stärksten Aktienmärkte des vergangenen Jahrhunderts. Anleger in anderen Ländern oder mit Fokus auf den Heimatmarkt schnitten nicht immer so gut ab.
Deine Ausgaben sind nicht fix
In der Praxis passt man sich an. Wer in einem schlechten Jahr 10 % weniger ausgeben kann, verträgt eine etwas höhere Entnahmerate deutlich besser. Wer kaum kürzen kann, plant besser vorsichtiger.
Deine eigene Zahl ermitteln
- Echte Jahresausgaben ermitteln. Die Kontoauszüge liefern die echte Zahl. Unregelmäßiges zählt mit: Autoreparatur, Urlaub, Jahresbeiträge.
- Für den Ruhestand anpassen. Manches fällt weg (Pendeln, Sparraten), anderes kommt dazu. In Deutschland ist das vor allem die Krankenversicherung, die du ohne Job selbst zahlst.
- Andere Einkünfte abziehen. Erwartest du ab 67 eine gesetzliche Rente von 12.000 € im Jahr, braucht dein Depot danach weniger zu leisten. Viele planen in zwei Phasen: vor Rentenbeginn und danach.
- Durch die Entnahmerate teilen. 4 % für einen üblichen Zeitraum, 3 bis 3,5 % für mehr Puffer.
Beispiel
Du gibst 36.000 € im Jahr aus und willst mit 45 aufhören, ohne Rente bis 67.
- Bei 4 %: 36.000 × 25 = 900.000 €
- Bei 3,5 %: 36.000 ÷ 0,035 ≈ 1.028.600 €
- Bei 3 %: 36.000 ÷ 0,03 = 1.200.000 €
Diese Spanne zeigt, warum die Wahl der Rate mehr ausmacht, als viele denken.
Was zur Zahl zählt
Zähle Anlagen, aus denen du wirklich entnehmen kannst: Depots, ETFs, Altersvorsorge (mit Blick darauf, ab wann du herankommst) und Bargeld über den Notgroschen hinaus. Das selbst genutzte Eigenheim zählt meist nicht, es sei denn, du willst verkaufen oder vermieten. Warum, steht hier.
Wie nah bist du dran?
Vergleiche dein investiertes Vermögen mit deiner FIRE-Zahl. Liegt sie bei 900.000 € und du hast 180.000 € investiert, hast du 20 % geschafft. Den ersten Wert bekommst du schnell mit dem Nettovermögen-Rechner.
Der Pro-Tarif von NetWorthy enthält einen FIRE-Planer, der diese Rechnung mit deinem echten Depot, deinen Schulden und deiner Währung durchführt und zeigt, wie Entnahmerate und Sparrate den Zeitplan verändern. Das ist ein Planungswerkzeug, keine Anlageberatung. Vor großen Entscheidungen wie einer Kündigung lohnt sich ein Gespräch mit einem unabhängigen Berater.
