Vermögen tracken ohne Bankanbindung – so geht's
Du musst keiner App dein Online-Banking-Passwort geben, um dein Nettovermögen zu kennen. Eine Methode ohne Kontoverknüpfung, die etwa zehn Minuten im Monat braucht.
Von Islam Kassem, Gründer von NetWorthy · · 3 Min. Lesezeit
Die meisten Vermögens-Apps fangen gleich an: Bank auswählen, Online-Banking-Zugang eingeben, auf die Synchronisierung warten. Genau hier steigen viele aus. Sie wollen keinem Drittanbieter Zugriff auf ihre Konten geben, ihre Bank wird nicht unterstützt, oder die Verbindung reißt alle paar Wochen ab, bis man es aufgibt.
Geht auch ohne. Für dein Nettovermögen brauchst du zwei Dinge: was du besitzt und was du schuldest. Keins davon setzt eine Live-Verbindung zur Bank voraus.
Was hinter der Bankanbindung steckt
Wenn eine App sich mit deiner Bank „verbindet“, läuft das meist über einen Kontoinformationsdienst. Das ist ein Unternehmen zwischen App und Tausenden Banken. In der EU sind solche Dienste seit PSD2 reguliert und nutzen Schnittstellen der Banken. Praktisch bleiben trotzdem ein paar Haken:
- Ein weiteres Unternehmen sieht deine Umsätze.
- Die Freigabe läuft regelmäßig ab und muss alle paar Monate neu bestätigt werden.
- Kleine Banken, Konten im Ausland, Gold im Schließfach, Immobilien und private Darlehen werden selten erfasst. Die trägst du ohnehin per Hand ein.
Wenn die Hälfte deines Vermögens sowieso manuell gepflegt wird, löst die Synchronisierung ein kleineres Problem, als es aussieht.
Die Methode: erst manuell, dann automatisch, wo es geht
So sieht eine Routine aus, die auch nach Jahren noch funktioniert.
- Einmal alles auflisten. Girokonto, Tagesgeld, Depot, Altersvorsorge, Krypto, Gold, Wohnung, Auto. Dann die Schulden: Baufinanzierung, Autokredit, Kreditkarte, Dispo, BAföG.
- Einen festen Tag im Monat wählen. Den ersten Sonntag oder den Tag nach dem Gehaltseingang. Tägliches Tracking bringt vor allem Rauschen (wie oft du tracken solltest).
- Salden aus den Apps abschreiben. Banking-App öffnen, Saldo ablesen, eintragen. Bei zehn Konten dauert das rund zehn Minuten.
- Kurse den Rest erledigen lassen. Aktien, ETFs, Gold und Krypto brauchen dich nicht. Trägst du die Stückzahl ein (14 Anteile eines ETF oder 50 g Gold), kann ein Tracker mit Live-Kursen sie jeden Tag bewerten.
- Einen Satz zur Veränderung notieren. „Minus 2 %, weil die Börse gefallen ist“ und „plus 4 %, weil die Kreditkarte abbezahlt ist“ sind sehr verschiedene Monate. Erst die Notiz macht die Zahl später nützlich.
Auszüge statt Zugangsdaten
Am längsten dauert manuelles Tracking bei Depots mit vielen Positionen. 30 ETF-Zeilen abzutippen macht niemandem Spaß.
Dafür gibt es den Import. Dein Broker stellt dir ohnehin ein PDF mit allen Positionen bereit. In NetWorthy lädst du diese Datei hoch, wir lesen die Bestandstabelle aus, und du prüfst jede Zeile, bevor etwas gespeichert wird. Kein Login, die Datei enthält nur die Positionen, und du entscheidest, was übernommen wird. Aktuell lesen wir den Trade-Republic-Depotauszug sowie Auszüge von Revolut, Robinhood und Fidelity. Bei anderen Brokern versuchen wir, die Bestandstabelle automatisch zu erkennen.
Ist manuell nicht ungenauer?
Seltener aktualisiert, ja. Ungenauer meist nicht. Synchronisierte Daten haben eigene Fehler: doppelt erfasste Konten, Umbuchungen, die zweimal zählen, Depots mit veraltetem Wert. Bei manueller Eingabe siehst du jede Zahl. So fällt dir auch das vergessene Abo auf.
Ziel ist ein Verlauf, dem du vertraust, Monat für Monat. Cent-genau muss es nicht sein, wenn dein Depot an einem normalen Tag um ein paar Hundert Euro schwankt.
Eine praktische Einrichtung
Nutze ein Werkzeug für die Gesamtzahl, auch wenn du dein Budget woanders führst. Für alles mit Marktpreis trägst du Stückzahlen ein, für den Rest Salden. Die Immobilie bekommt eine vorsichtige Schätzung, die du einmal im Jahr anpasst (gehört das Eigenheim ins Nettovermögen?). Und wer Geld in mehreren Währungen hat, wählt eine Währung für die Summe (warum, steht hier).
Für eine schnelle erste Zahl ohne Einrichtung gibt es den kostenlosen Nettovermögen-Rechner. Er läuft komplett in deinem Browser.
Warum NetWorthy nicht nach deinem Bank-Login fragt
Wir haben früh entschieden, keine Bankanbindung zu bauen. NetWorthy fragt nie nach deinem Online-Banking-Passwort. Du trägst Salden ein oder lädst einen Auszug hoch, Live-Kurse kümmern sich um Aktien, Gold und Krypto, und deine Werte werden verschlüsselt gespeichert. Das ist etwas mehr Handarbeit als eine Auto-Sync-App. Mit Absicht: Du siehst jede Zahl, die in dein Nettovermögen einfließt.
